Definition
Eine Befragung des Opfers ist ein strukturiertes, ethisch durchgeführtes Gespräch zwischen einem Ermittler und einer geschädigten Person, das darauf abzielt, für die Ermittlung relevante Fakten, Wahrnehmungen und Bedürfnisse zu erfassen und gleichzeitig weitere Traumatisierung zu vermeiden und Beweismittel zu sichern.
Prinzip
Prinzip
Das ordnende Prinzip ist trauma-informierte Faktengewinnung: Befragungen müssen Informationssammlung, Sicherheit und Würde des Opfers, informierte Einwilligung und Kettenbeweis-Überlegungen unter klaren Verfahrensschutzmaßnahmen ausbalancieren.
Demonstration
Demonstration
Ein Ermittler führt die Befragung des Opfers in einem privaten Raum durch, erklärt Zweck und Grenzen der Vertraulichkeit, verwendet offene Fragen zur Dokumentation der Darstellung des Opfers und holt vor Aufzeichnung oder Weitergabe die Einwilligung ein.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Das Drängen einer Person, traumatische Details vor anderen zu wiederholen, Befragungen ohne Dolmetscher oder das Unterlassen der Erklärung von Rechten und Verwendungszwecken von Aussagen sind Fehlanwendungen, die retraumatisieren und Beweise gefährden können.
Konsequenz
Konsequenz
Eine ordnungsgemäß durchgeführte Befragung liefert verlässliche Tatsachendarstellungen, unterstützt Verweise auf Opferschutzangebote, wahrt verwertbare Beweise und stärkt das Vertrauen zwischen Opfern und Justiz, wodurch Ermittlungs- und Strafverfolgungsergebnisse verbessert werden.
Umkehrung
Umkehrung
Das Gegenteil behandelt Befragungen als rein anklagende Verhöre mit dem Ziel, Geständnisse zu erhalten, statt die Darstellung und Bedürfnisse des Opfers zu erheben; dies zerstört Rapport und verringert Informationsgenauigkeit.
Abgrenzung
Abgrenzung
Gilt für Befragungen, die darauf abzielen, Opferdarstellungen und Bedürfnisse für Ermittlungs- und Unterstützungszwecke zu erheben; schließt polizeiliche Verhöre von Verdächtigen, informelle Zeugengespräche und therapeutische Sitzungen von Kliniker*innen aus.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Es besteht Spannung zwischen gründlichem, beweissicherndem Fragen und trauma-adaptierter Pausengestaltung: aggressive Detailverfolgung kann Informationen liefern, jedoch Schaden und Rücknahmen bewirken; Protokolle müssen diesen Zielkonflikt steuern.
Synthese
Synthese
Eine Befragung des Opfers ist eine trauma-sensible, ethisch geregelte Ermittlungskontaktaufnahme, die die Darstellung und Bedürfnisse des Opfers dokumentiert und zugleich Wohlbefinden und die Integrität von Beweismitteln durch informierte Einwilligung, geeignete Rahmenbedingungen und Verfahrensgarantien schützt.