Definition
Ein von einer mutmaßlichen Geschädigten/einem mutmaßlichen Geschädigten stammender Augenzeugenbericht, in dem die erlittenen Auswirkungen, Verluste, Verletzungen oder Schäden infolge eines Vorfalls beschrieben werden, einschließlich emotionaler, körperlicher und materieller Folgen sowie etwaiger Schutz- oder Entschädigungswünsche.
Prinzip
Prinzip
Die Perspektive der Opferperson in den Mittelpunkt stellen und zugleich die sachlichen Elemente und den Kontext dokumentieren, die für Ermittlungen, Unterstützungsleistungen, Risikobewertung und mögliche rechtliche Schritte erforderlich sind, unter Wahrung von Freiwilligkeit und traumasensiblen Vorgehensweisen.
Demonstration
Demonstration
Veranschaulichung: Nach einem Einbruch fertigt das Opfer eine Erklärung an, in der gestohlene Gegenstände mit ungefährem Wert, entstandene Schäden, Abwesenheitszeiten, psychische Auswirkungen ('ich fühle mich unsicher in meinem Zuhause') und Hilfswünsche aufgeführt werden; die diensthabende Person vermerkt, welche Verluste das Opfer selbst gesehen hat und wo Unsicherheiten bestehen (z. B. Seriennummern).
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Ein Opfer ohne Unterstützung zur Abgabe einer formellen Erklärung drängen, die Erklärung primär zur Erzwingung von Geständnissen verwenden oder subjektive emotionale Beschreibungen als widerlegbare Tatsachen ohne Kontext behandeln.
Konsequenz
Konsequenz
Korrekt aufgenommen liefert die Opfererklärung wichtige Hinweise für die Ermittlung, dokumentiert Verluste für Schadensersatz, informiert Maßnahmen zur Sicherheit und Beratung und bringt die Stimme des Opfers in Strafverfahren oder Wiederherstellungsprozesse ein.
Umkehrung
Umkehrung
Die individuelle Opfererklärung durch aggregierte Vorfallszusammenfassungen oder administrative Vermerke zu ersetzen, nimmt dem Bericht die persönliche Perspektive und verringert die Möglichkeiten für gezielten Schutz und Wiedergutmachung.
Abgrenzung
Abgrenzung
Gilt für Berichte von Personen, die behaupten, direkt geschädigt worden zu sein; ausgeschlossen sind Drittfassungen, fachliche Wirkungsgutachten und anwaltlich verfasste Schriftsätze, sofern sie nicht klar dem Opfer zugeordnet und unterzeichnet sind.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Spannung zwischen 'Opfererklärung' und 'Victim Impact Statement' (Opferfolgenbericht) in Strafsachen: Ersteres dokumentiert unmittelbare Fakten und Unterstützungsbedarfe in der Ermittlung, Letzteres wird häufig zu einem späteren Zeitpunkt für den Strafzumessungsprozess verwendet.
Synthese
Synthese
Die Opfererklärung ist die zugeordnete Schilderung von Schaden und Bedürfnissen einer betroffenen Person nach einem Vorfall, die dokumentiert wird, um Ermittlungen, Schutzmaßnahmen, Wiedergutmachung und rechtliche Entscheidungen zu informieren und traumafreundliche Verfahren zu gewährleisten.